Traumberuf Kitesurfprofi

Die beiden Allgäuer Brüder Elias und Jonas Ouahmid sind zwei der größten deutschen Talente im Kitesurfen. Ihre Erfolge bestärken sie darin, mit ihrem Hobby einmal Geld verdienen zu können.

Die beiden Allgäuer Brüder Elias und Jonas Ouahmid sind zwei der größten deutschen Talente im Kitesurfen. Ihre Erfolge bestärken sie darin, mit ihrem Hobby einmal Geld verdienen zu können.

An den Moment, in dem sich die Finne durch seinen Oberschenkel bohrte und am anderen Ende heraustrat, kann sich Elias Ouahmid bestens erinnern. Natürlich. So blöd es klingt, aber es war schon ein einschneidendes Erlebnis für ihn an diesem 31. Mai 2014. Ouahmid aber spricht dennoch aus der Distanz darüber, er erzählt von seinem Unfall, als wäre er gar nicht ihm selbst widerfahren.

Am Rottachsee, unweit seiner Heimat Kempten, wollte der 17-Jährige ein neues Kiteboard ausprobieren. Eigentlich keine große Sache. Die Finne, diese messerscharfe, sensenformähnliche Flosse an der Unterseite des Boards, wurde ihm am Ende zum Verhängnis. Der Wind kehrte das Board um - und die Finne, im Grunde das Lenkrad eines Kiteboards, fuhr durch seinen Oberschenkel. Ouahmid war voller Adrenalin, er zog die Finne kurzerhand aus seinem Bein, hangelte sich auf sein Board und paddelte mit blutüberströmtem Oberschenkel ans Ufer. Kurz darauf wurde er in Kempten notoperiert. Eine Woche lang lag er im Krankenhaus. Nur drei Wochen später stand er bei den deutschen Meisterschaften auf Sylt schon wieder auf dem Kiteboard. Die Pointe der Geschichte ist, dass er den Contest gewann: Platz eins im Racing. Das Racing ist eine von drei Disziplinen im Kitesurfen. Die anderen sind: Slalom und die Königsdisziplin Freestlye, bei der es zuvorderst um Tricks in der Luft geht.

Elias Ouahmid, 17, ist eines der größten Talente im Kitesurfen. Er weiß das auch. Und so konnte ihm die Verletzung im Grunde nichts anhaben. Eigentlich änderte sich auch nicht viel. Vorher wie nachher steht für Ouahmid die Vision, später einmal professioneller Kitesurfer zu werden. Vor acht Jahren stand er erstmals auf einem Board. Sein Vater war Surfer in seiner Heimat Marokko, 1998 kam er der Liebe wegen ins Allgäu - und entfachte bei seinem späteren Sohn den Enthusiasmus fürs Kitesurfen. 2010 verbrachte Ouahmid junior die gesamte Ferienzeit an der Westküste Afrikas - und gewann prompt eine Meisterschaft. "Ich stand relativ schnell auf dem Board", erinnert er sich an seine Anfänge.

Ouahmid hat den Überblick über seinen Trophäenschrank verloren

Mittlerweile hat ihn sein Sport um den halben Erdball geführt: Kroatien, Türkei, Marokko, Dänemark, Frankreich, um nur ein paar Beispiele anzuführen. In Deutschland steigen die Wettkämpfe an der Ost- und Nordsee.

Von Anfang Juni gibt es Fotos aus Norderney. Auf den ersten Blick sehen die Bilder nicht anders als gewöhnliche Siegerbilder aus. Sie zeigen Ouahmid auf der obersten Stufe des Treppchens, das Kiteboard hochkant vor sich aufgestellt, dazu ein Lächeln, wie es sich für einen Sieger nun mal gehört. Zig mal gesehen. Auf den zweiten Blick sieht man aber: In der Hand, die Ouahmid in die Luft reckt, hält er nicht den Pokal, sondern eine Wasserflasche seines Hauptsponsors. "Ich bin stolz, die Flasche hochzuhalten", sagt Ouahmid und wirkt, als verstehe er gar nicht, wie man sich darüber wundern kann. Es sei eben, findet er, ein gutes Wasser, er trinke es daher auch zu Hause. Allein auf Norderney gewann Ouahmid vier Pokale. Den Überblick über seine Vitrine hat er längst verloren. Rund 25 Trophäen dürften sich inzwischen angesammelt haben, schätzt er.

Sein Bruder Jonas, 14, hingegen hat noch einen Überblick über seine Sammlung. Er startet erst seit diesem Jahr durch, auch wenn er bereits vor fünf Jahren erstmals auf dem Board stand, um seinem großen Bruder nachzueifern. "Ich wollte mithalten", sagt Jonas - er scheint dabei auf einem guten Weg zu sein. Jüngst gewann er die U15-Freestyle-Weltmeisterschaft in Spanien und hat daher wohl eine nicht minder verheißungsvolle Zukunft vor sich wie Elias.

Die Brüder Ouahmid trainieren zusammen. Sie gehen Surfen am Rottachsee, an der Ost- und Nordsee und in den Schulferien meist in Marokko. Und sie boxen: "Da werden ähnliche Muskelgruppen beansprucht wie beim Kitesurfen", erklärt Elias. Das soll ihm helfen, am Ende sein Hobby zum Beruf machen zu können. Über die Karriere hinaus. "Ich möchte so lange surfen, wie es geht. Danach könnte ich mir vorstellen, als Trainer oder Produktentwickler zu arbeiten." Auch Jonas sagt: "Ich will versuchen, vom Kitesurfen zu leben. Ich werde am Ball bleiben."

 

Quelle: SZ

Autor: Sebastian Leisgang

Link zum Artikel: http://www.sueddeutsche.de/sport/surfen-traumberuf-kitesurf-profi-1.3590204

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